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"Kuschelkreißsaal" sorgt für heimelige Atmosphäre

BAD CANNSTATT: Ab 1. August erweitert die Frauenklinik ihr Angebot - Kein Baby-Boom nach der Fußball-WM (Esslinger Zeitung 07.06.2007)

Die Frauenklinik des Klinikums Stuttgart am Krankenhaus Bad Cannstatt hat ihr Angebot um einen Hebammenkreißsaal erweitert. Bei diesem im süddeutschen Raum bislang einmaligen Angebot haben Frauen die Möglichkeit, die Geburt in hausgeburtsähnlicher Atmosphäre zu erleben, ohne auf die medizinische Sicherheit zu verzichten.

"Die Idee ist, dass Frauen auf Wunsch nur unter der Betreuung einer Hebamme die Geburt erleben können", sagt Ulrich Karck, der Ärztliche Direktor der Frauenklinik. Um Risiken auszuschließen, wurde mit den Kinderärztinnen und -ärzten ein spezieller Kriterienkatalog entwickelt. Dieser legt fest, für wen dieses Zusatzangebot geeignet ist. "Sollte während der Geburt eine auffällige Situation entstehen, so wird das Ärzteteam der Frauenklinik hinzugezogen und die Geburt in den ärztlichen mitbetreuten Kreißsaal übergeleitet", sagt Andrea Bosch, eine der leitenden Hebammen der Frauenklinik. Die Frauenklinik des Klinikums Stuttgart ist mit rund 2500 Geburten im Jahr die größte in Baden-Württemberg. Für den so genannten Baby-Boom nach der Fußball-WM hat Ulrich Karck ein Lächeln übrig: "Das ist eine Ente." Die Geburtenrate der Monate März und April haben im Vergleich zum Vorjahr keine wesentlichen Veränderungen gezeigt. Im Mai allerdings seien die Geburten enorm angestiegen. "Da waren die Herren wohl eher in der Nachspielzeit aktiv", vermutet Karck. 249 Babys wurden im Wonnemonat geboren, im April waren es 188 Geburten.Für die Erste Pflegedirektorin des Klinikums Stuttgart und Pflegedirektorin des Krankenhauses Bad Cannstatt, Elisabeth Hückelheim, rundet die Frauenklinik mit dem Hebammenkreißsaal, der unter Ärzten als "Kuschelkreißsaal" bezeichnet wird, ihr breites Leistungsspektrum in der Geburtshilfe weiter ab: "Wir bieten alle Entbindungsmöglichkeiten an: von ganz natürlich bis hin zum Kaiserschnitt." Gleichzeitig sei es für das Hebammenteam eine besonders schöne Situation, eigenständig arbeiten zu können, ohne auf die sichere Nähe des Perinatalzentrums zu verzichten. Außerdem habe sich die Situation wegen der akuten Raumnot in der Orthopädie entschärft. "Als dies im April zur Diskussion stand, haben wir ein Belegungsmanagement entwickelt. So können wir Entlassungen und Einweisungen besser kontrollieren, so dass es zu keinen Platzproblemen kommt", so Hückelheim. Das Problem sei noch nicht vollständig vom Tisch, aber man sei auf einem guten Weg. Dass es auch in der Frauenklinik Tage gibt, an denen "gar nichts mehr geht", bestreitet auch Ulrich Karck nicht. "An drei bis vier Tagen im Jahr haben wir diese Situation, dass wir Schwangere in eine andere Klinik vermitteln müssen." Aber Gedanken müssten sich die werdenden Mütter auch dann nicht machen, denn vom Personal würde alles gemanagt werden.Ab 1. August startet der Hebammenkreißsaal. Das neue Angebot wird im Rahmen einer Studie in Kooperation mit der Fachhochschule Osnabrück wissenschaftlich begleitet werden, die ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Forschungsvorhaben durchführt. "Frauen, die sich für das Angebot interessieren, sollten möglichst in der Mitte der Schwangerschaft den ersten Kontakt mit uns aufnehmen", so eine der leitenden Hebammen Elfriede Lochstampfer. "Wir laden dann zu zwei Vorgesprächen ein, um die Vorstellungen zur Geburt zu erfahren und die Bedürfnisse und Wünsche kennen zu lernen." Dabei soll sicher gestellt werden, dass es keine Risiken in der gesundheitlichen Vorgeschichte und im Schwangerschaftsverlauf gibt, die eine Geburt im Hebammenkreißsaal ausschließen würden. Der Hebammenkreißsaal wird am Dienstag, 12. Juni, um 19 Uhr im Multimediaforum offiziell eröffnet. Werdende Eltern bekommen an diesem Abend einen Einblick in das neue Angebot. © Yvonne Weirauch, Esslinger Zeitung 07.06.2007

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